Nachhaltigkeit im Alltag - #byebyeschweinehund

4. Juni 2017



Wohl jeder findet Nachhaltigkeit wichtig, nachhaltige Produkte kaufenswert und einen nachhaltigen Lebensstil erstrebenswert. Gleichzeitig macht so etwas oft zusätzliche Arbeit, ist umständlich, teurer und, und und. Da hatte man mal keine Zeit, da mal keine Lust, das war zu weit weg..
Ich gebe es zu: auch ich bin bei dem Thema mittlerweile recht bequem geworden. War ich früher noch Feuer und Flamme, als an der Uni Nachhaltigkeit das erste Mal zur Sprache kam (im elterlichen Haushalt ist mir der Begriff bis dahin nicht untergekommen) und probierte gleich Unmengen an neuen Produkten, Konsumvarianten, Einkochrezepten und ähnliches aus. Mittlerweile sind auch wir in unserem Alltag etwas festgefahren.

Im Rahmen der Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit (30.05. - 05.06.2017) nehme ich an der Blogparade #bybyeschweinehund von "Der Nachhaltige Warenkorb" teil und frage mich einmal mehr: Wie nachhaltig ist eigentlich mein Lebensstil?


Auf mein-fussabdruck.at kann man den eigenen ökologischen Fußabdruck berechnen. Und obwohl ich meinen Lebensstil als "bescheiden" klassifizieren würde, brauche ich nach der Berechnung immer noch 3,35 gha (im Vergleich zum Durchschnitt von 5,31 gha). Würden alle Menschen auf der Erde so leben, wie ich, wären es immer noch stattliche 1,97 Erden, die wir bräuchten, um unseren Lebensstandard aufrecht zu erhalten.

Wir betreiben weder perfekt, noch besonders ambitioniert nachhaltigen Konsum oder Müllvermeidung. Doch in vielen Fällen geht es so nebenbei. Und um diese, nennen wir sie mal, "Nebenbei"-Taktiken soll es heute gehen. Denn wie heißt es so schön: "Kleinvieh macht auch Mist" und "Jeder ist ein Tropfen, gemeinsam sind wir das Meer."  Also #byebyeschweinehund...


Wohnen

  • klein, aber fein: kleine Wohnungen sind im städtischen Bereich nicht nur günstiger, sondern auch schneller zu putzen. Kleiner Nebeneffekt: man hat auch weniger Platz für Krimskrams. Ob man das nun gut oder schlecht findet...
  • Infrastruktur der Wohnung: auf Qualität achten und lange Nutzen. Denn wie heißt es so schön: wer billig kauft, kauft zweimal... Kann ich aus der Erfahrung mit unserem Kühlschrank nur bestätigen!


Essen

  • Wenn man schon nicht in Bio investieren will oder kann, dann kann man es sich zum Ziel machen, seinen Lebensmittelmüll deutlich zu reduzieren. Als kleiner Kompromiss sozusagen. Mit Einkaufslisten, kreativer Küche, Vorkochen, Einfrieren oder anderen Methoden zur Haltbarmachung kann man seinen Lebensmitteleinkauf erstens bewusster und dadurch oft auch günstiger gestalten. 
  • Wer motiviert ist, kann sich auch bei der Initiative foodsharing beteiligen, zum Lebensmittelretter werden und abgelaufene oder aussortierte Lebensmittel bei Partnerbetrieben abholen und sie so vor dem Müll retten.
  • Weniger Fleisch: man muss ja nicht gleich zum Vegetarier oder Veganer werden, aber die Menge an verzehrtem Fleisch und Fisch zu reduzieren, schont nicht nur den Geldbeutel. Mit jedem Glied in der Nahrungskette, kommt weniger beim "Endverbraucher" an. Als Beispiel:
    Nahrungspyramide.svg
    1 Mäusebussard (schwarzer Strich) mit einem durchschnittlichen Körpergewicht von 1 kg frisst in einem Jahr 3000 Feldmäuse (roter Balken) mit insgesamt 90 kg Körpergewicht, die ihrerseits 1 Tonne Getreidekörner (grüner Balken) vertilgen (Quelle: Wikipedia). Aus Sicht des Flächenverbrauchs ist es also sehr sinnvoll, möglichst wenig tierische Lebensmittel zu verzehren.
  • Plastikverpackungen vermeiden: am leichtesten funktioniert das übrigens bei Obst und Gemüse, die auch über Biokisten, Marktstände, Bioläden o.a. bezogen werden können. Aber auch in Supermärkten oder türkischen Lebensmittelläden finden sich unverpackte Lebensmittel. Am besten kleine Obstsäckchen aus Tüll fürs Abwiegen mitbringen. Die Wiegezettel klebe ich dann auf die Rückseite meines Einkaufszettel und reiche sie an der Kasse der Kassiererin.
  • Mehrweg statt Einweg: den Hype ums Flaschenwasser werd ich vermutlich nie verstehen. Bei uns gibt es gutes, sauberes und vor allem frisches, Leitungswasser. Flaschenwasser ist in den meisten Fällen nämlich auch kein Quell- oder Mineralwasser, sondern einfaches Leitungswasser, das irgendwo abgepumpt, von A nach B gekarrt und dort teuer verkauft wird. Das Perfide an der Geschichte: das Wasser wird meist in wasserarmen Regionen abgepumpt. (Siehe diese Doku). Einmal angewöhnt, ist die Mehrweg-Wasserflasche dann ein treuer Begleiter.

  • auf Fertiggerichte verzichten: richtig viel Müll produziert man durch teure Fertigprodukte oder in Junk Food Lokalen. Statt schon wieder eine Fertiglasagne in den Ofen zu schieben, ist es vielleicht mal an der Zeit, sich um eine funktionierende Menüplanung zu bemühen oder einige "Schnelle Küche"-Gerichte parat zu haben. 
  • Coffee to Stay: Kaffee ist ein Genussmittel und kein Lifestyle Getränk. Wer die 10 Minuten, die es dauert einen Kaffee im Sitzen zu konsumieren, seiner Meinung nach nicht hat, kann auch gleich auf die zusätzliche "anregende" Wirkung verzichten...
  • Auf Kapselkaffee/-tee verzichten: wer ihn nicht selbst trinkt, kennt ihn zumindest von den ArbeitskollegInnen oder FreundInnen. In unserer Lifestyle Kaffeekultur ist er fast nicht mehr wegzudenken. Mal ganz abgesehen von dem enormen Müllaufkommen ist er auch nicht billig: knapp 70 Euro für einen Kilo Nicht-Fair-Trade Kaffee sind echt viel Kohle UND in den Kapseln ist auch noch der letzte, wie wir in Österreich sagen, "Schas" drin. Wir sind mittlerweile auf Bohnenkaffee mit eigener Kaffeemühle umgestiegen. Kredenzt wird der Kaffee dann entweder im Esperesskännchen, der French Press (mein Favorit!) oder als türkischer Kaffee.

Alltag / Müll reduzieren

  • Recyclingpapier - Ob sogenannte Hygienepapiere (Klopapier, Küchenrolle, Taschentücher etc.) oder Druckerpapier.  Von vielen Produkten des täglichen Bedarfs gibt es mittlerweile eine Recycling-Variante.
  • Apropos Wiederverwendung: große Plastikumverpackungen geben tolle Müllsäcke, die kleinen Obstsäcken im Supermarkt Müllsäcke für den Abfalleimer im Badezimmer und Papiersäcken sammeln den Biomüll in der Küche. Was sowieso im Müll gelandet wäre, findet so zumindest noch eine Verwendung. 
  • Der beste Müll ist aber immer noch der, der nicht anfällt. Darum klebt auf unserem Briefkasten auch ein "Bitte keine Werbung"-Aufkleber. Hat den Papiermüll verlässlich reduziert. 
  • Der Klassiker: Stofftaschen zum Einkaufen mitnehmen ;-)
  • Waschbare Alternativen zu Wegwerfprodukten gibt es mittlerweile viele. Alte Handtücher bekommen bei uns ein zweites Lebens als Abwaschtücher in der Küche oder, verschönert mit Stoffreste, als Abschminkpads im Badezimmer.Einfach ausprobieren, was einem persönlich zusagt und ob man waschbare Binden und Windeln noch als praktikabel ansieht.
  • Bleiben wir im Bad: wie viel Geld verschlingt deine Sammlung an Putzmitteln? Mit Zitronensäure und Essig als Allzweckwaffe kann man wunderbar Kalkablagerungen lösen. Alkohol (z.B. günstiger Wodka) eignet sich ebenfalls als Allzweckreiniger. 
  • Ein Umstieg auf Naturkosmetik kann sich lohnen. Erstens verzichtest du damit auf viele, für deine Haut, schädliche Inhaltsstoffe wie PEGs, Mineralöl, Parabene, scharfe Tenside o.a., zweitens sind für Naturkosmetik einige kritische Inhaltsstoffe wie Mikroplastik nicht zugelassen. Die Umstellung ist zu Beginn vielleicht etwas gewöhnungsbedürftig, weil sich Haare und Haut erst umgewöhnen müssen. Naturkosmetik ist in vielen Fällen auch nicht teurer als die "hochwertigen" Produkte konventioneller Hersteller. Ansonsten kannst du den Preisanstieg mit einer Reduktion der verwendeten Produkte ausgleichen: gute Seife für Gesicht und Körper, Shampoo oder Haarseife, Zahnpflegeprodukte, Deo, und Allzweck-Creme für Hände und Körper, die man auch zum Abschminken verwenden kann, sind in der Regel für die Grundausstattung ausreichend (Rasier- oder Fußpflegeprodukte nicht mitgerechnet). 
  • Wirf keinen Müll in die Natur - sollte eigentlich selbstverständlich sein, aber immer wieder ärgere ich mich beim Wandern über weggeworfene Plastikverpackungen oder verrostete Aludosen. 

Freizeit

  • Auf Flugreisen zu verzichten ist für viele wahrscheinlich ein Unding. Aber Flugreisen treiben den CO2 Ausstoß maßgeblich in die Höhe. Eurasien ist eine riesige, zusammenhängende Landmasse, auf der man/frau auch ohne Flugzeug (mit genügend Zeit) allerhand erkunden kann. So werden auch Hin- und Rückfahrt zum Erlebnis...
  • Noch nie einen Camping-Urlaub oder Wanderurlaub verbracht? Vielleicht kannst du dich mit dem Gefühl der Freiheit und Schlichheit des Lebens anfreunden. Grade in der Nebensaison hat man oft das Glück, Wege und Plätze ungestört erkunden zu können. Und nach ein paar Tagen in der Natur hat man auch wieder ein Gespür, was man im Leben wirklich braucht.

Mobilität

  • Die Anzahl der genutzen PKWs im Haushalt reduzieren - Ich weiß, es geht in manchmal nicht anders, aber wenn es schon nicht möglich ist, die Anzahl der PKWs zu reduzieren, dann vielleicht die Zahl der gefahrenen Kilometer? Mit Öffis oder mit Fahrrad ist man, gerade in der Innenstadt, schneller unterwegs, spart Parkgebühren und die lästige Suche nach Parkplätzen.  
  • Fahrgemeinschaften bilden - obwohl es schon Mitfahrbörsen gibt, sitzen immer noch sehr viele Menschen alleine in ihrem Auto am Weg zur Arbeit. Durch Fahrgemeinschaften wären weniger Autos unterwegs und die Stauwahrscheinlichkeit dadurch auch geringer.
  • Mehr Fahrrad fahren - gut für Umwelt und Körper. Eine einmalige Investition in einen anständigen Fahrradkorb hilft, alltägliche Einkäufe komfortabel ohne Auto nach Hause zu bringen. Von Frühling bis Spätherbst meine bevorzugte Möglichkeit, Einkäufe zu erledigen. 

Konsum / Kleidung

  • Wenn auch bei dir die Preisschilder von bio-fairer Kleidung Atemnot verursachen: steig auf Second Hand oder selbstgemachte Kleidung um. Im Second Hand Laden oder Sozialkaufhaus sind manchmal tolle Stücke (oder Stofflieferanten) zu finden, die man notfalls mit ein paar Handgriffen umändern kann. Oder du zauberst dir Kleidung aus neuen oder gebrauchten Stoffen einfach selbst. Anleitungen und gratis Schnittmuster für Anfänger gibt es dafür zuhauf im Netz. 
  • Mach nicht bei jedem Trend mit - statt wie jedes 0815 Modepüppchen rumzulaufen und sich drüber zu ärgern, dass irgendjemand das gleiche Kleid wie du trägst, kannst du auf einfache Stoffe und/oder Schnitte und deinen eigenen Stil setzen. Basicstücke haben, wenn auch oft getragen, tendenziell das längste Leben im Kleiderschrank.
  • Vor jedem Kauf überlegen: Brauch ich das wirklich? Oftmals hilft es auch, das Geschäft zu verlassen und am nächsten Tag wiederzukommen. Manchmal fällt einem in der Zwischenzeit auch ein, wie man es ohne die Neuanschaffung bewerkstelligen könnte und sie wird überflüssig. Bei Teilen wo "Brauch ich das wirklich?" nicht funktioniert, weil spontane Schnappatmung: tief Durchatmen und überlegen, warum man es gerne hätte.


Was sind deine Tipps und Tricks für mehr Nachhaltigkeit im Alltag? Hast du auch den einen oder anderen "Schmäh" für Wiederverwendung, Müllreduktion oder ähnliches parat? Ich freu mich über sämtliche Ideen und Anregungen. 

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Bildcredits: pixabay, CC0

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